NASA Rover Challenge in den USA

Jonas Stiemer, Schüler der Klassenstufe 11 des BIP Kreativitätsgymnasiums Leipzig, gehört zu einem Team des International Space Education Institute e. V., wo er auch im Rahmen seiner Besonderen Lernleistung (BeLL) tätig ist.

Bei diesem Verein handelt es sich um eine Einrichtung zur Förderung von Berufs- und Studienorientierung für die sogenannten MINT- und STEM-Disziplinen in Verbindung mit praktischen Anwendungen aus dem Handwerk sowie der Luft- und Raumfahrt. Jonas Stiemer arbeitet an der Entwicklung von wettbewerbsfähigen NASA Rovern mit. Das sind zweisitzige, vierrädrige Fortbewegungsmittel, die mit einem Auto mehr gemein haben als mit einem Fahrrad, aber dennoch von menschlicher Hand angetrieben werden. Jedes Jahr finden in den USA Weltmeisterschaften der NASA Rover statt. In diesem Jahr ist Jonas mit seinem Team dabei. Im Januar gehörte er übrigens bereits zu einer Delegation des International Space Education Institute e. V., die sich in Moskau auf den Spuren der Raumfahrtanfänge bewegte.

Laut Website des International Space Education Institute e. V. strömten seit dem 24. März sternförmig 38 Schüler und Studenten aus 12 Städten in mehreren Gruppen mit verschiedenen Fliegern, Bus oder Auto in die Raketenstadt Huntville im Bundesstaat Alabama. Sie bilden das multinationale Team des International Space Education Institutes mit Sitz in Leipzig. Die Jungen und Mädchen im Alter zwischen 7 und 25 Jahren waren die ersten von 14 internationalen und 86 US-Teams, die im Laufe der Woche im NASA Marshall Spaceflight Center eintrafen. Mit im Gepäck haben die über 1000 Teilnehmer je einen selbst entwickelten NASA Rover. Es wird zwei harte Wettkämpfe geben, zu denen je zwei Altersklassen antreten (Highschool und College). Die NASA Human Exploration Roverchallenge wird seit 1993 (bis 2013 als Moonbuggy Race bekannt) jährlich im Frühjahr in Huntsville ausgetragen. Das beschauliche ehemalige Baumwoll-Südstaaten-Städtchen am Tennessee River ist heute die Kernschmiede des Raumfahrtingenieurwesens der USA. Sie gehört zu jenen US-Städten mit der höchsten Dichte an Hightech-Firmen und der besten Lebensqualität. In den 1960er-Jahren wurden hier die riesigen Mondraketen gebaut und heute wird hier das noch mächtigere SLS-Programm entwickelt und realisiert. Viele bekannte Raumfahrtingenieure und Astronauten haben hier ihre Wurzeln, auch deutsche. Die Roverchallenge steht seit 2007 internationalen Teilnehmern offen. Der in Leipzig geborene NASA-ISS-Direktor Prof. Dr. Jesco von Puttkamer öffnete damals für das erste Internationale Team diese Pforten. In diesem Jahr nehmen die Leipziger zum 10. Mal teil. Es ist ihr 22. Team. Sie können auf 14 TOP-10-Preise mit 5 Gewinnerteams zurückschauen. Inzwischen nehmen insgesamt 119 internationale Teams an diesem Wettbewerb teil. Die Tüftler kommen aus Indien, Russlan, Italien, England, Mexico, Kannada, Peru, Brasilien und Bolivien. Weitere Teilnehmer aus Japan, Südkorea, Bangladesch, Saudi Arabien und Kirgistan sind im multinationalen Erfolgsteam der Leipziger integriert. Unser Teilnehmer Jonas Stiemer berichtet in den folgenden Tagen live von diesem Ereignis und seinen Erlebnissen und Erfahrungen. Danke, lieber Jonas! Und viel Erfolg!

1. Tag, 25. März: Die Anreise. Da wir sehr lange unterwegs sein werden, war heute Abfahrt um 3:00 Uhr am Space Education Institute. Ich traf 2:45 Uhr ein und war damit der Erste heute. Nachdem alle ankamen, haben wir unsere Koffer verstaut und sind losgefahren. Wir fuhren mit zwei Autos, davon war eins voll besetzt mit Teammitgliedern, das andere hatte alle Koffer, mich und Herr Heckel (meinen Außenbetreuer) "geladen“. Unser erster Flug ging 7:00 Uhr von Berlin Tegel nach London Heathrow, welcher ca. 1,5 Stunden dauerte, so dass wir nach deutscher Zeit 8:30 Uhr landeten. In London war eine gewisse Eile geboten, da wir nur 1,5 Stunden Zeit bis zum nächsten Start hatten und noch zum Terminal 3, durch die Sicherheitsschleuse, und durch die ESTA (Einreise-) Kontrolle mussten. Kurz bevor das Gate schloss, erreichten wir unser Flugzeug. Bei mir gab es noch kleinere Probleme mit dem ESTA, da ich einen Umlaut meines Zweitnamens im ESTA Antrag mit "oe", im Pass aber mit "ö" stehen hatte. So gut wie als Letzte bestiegen wir das Flugzeug. Abflug war ca. 11:00 Uhr. Wir fliegen mit einer Boeing 777-200. Besonders auffällig war für mich als technikbegeisterter Mensch das Entertainmentsystem, welches umfangreiche Unterhaltungsmöglichkeiten bot. Als erste Aktivität an diesem habe ich gleich mal ein Schachspiel gegen Lucas verloren. Unser Flug dauerte ca. 9 Stunden, so dass wir 14:00 Uhr Ortszeit in Ralight-Durham landeten. Von hier mussten wir noch zwei kleine Flüge, zuerst nach Dallas, dann nach Huntsville nehmen. In Ralight hatten wir allerdings etwas mehr Zeit, also haben wir etwas auf dem Flughafen gegessen. Nach deutscher Zeit wäre da gerade 19:00 bis 21:00 Uhr gewesen, also ideale Zeit für ein Abendessen. Der nächste Flug war eine ziemliche Qual. Da wir seit 2:00 Uhr wach waren, sind wir nun beinahe 18 Stunden unterwegs und trotz der kurzen Schlafphasen zwischendurch werden die Augenlider langsam schwer. Da machte es das Ganze nicht leichter, dass - in Dallas angekommen - unser Anschlussflugzeug einen Defekt hatte. So verzögerte sich unsere Weiterreise um weitere 30 Minuten. Schließlich begann dann doch das Boarding und es ging weiter zu unserem Zielort. In Huntsville sind wir dann gegen 11:00 Uhr gelandet und sind mit Bussen zu unserem Hotel gefahren, wo wir 0:30 Uhr endlich schlafengehen konnten.

2. Tag, 26. März: Einrichtung des Arbeitsplatzes und kurzes Sightseeing. Gestern Abend stand noch nicht fest, wann es heute los gehen sollte. Richtwert war 11:00 Uhr. Da die indischen Teilnehmer allerdings schon um 10:00 Uhr angekommen sind, haben wir gleich um 10:15 Uhr unser Meeting durchgeführt. In diesem hat Herr Heckel die Teammitglieder vorgestellt. Einige der Inder kannte ich noch vom Sommerworkshop des letzten Jahres, alle Russen haben wir bereits in Moskau kennen gelernt. Danach wurde der Tagesplan für heute besprochen. Dieser besagt, dass wir zuerst beim "Waffel House" frühstücken, dann werden wir unsere Arbeitshalle für die nächsten Tage aufsuchen, kurz einrichten und die Koffer auspacken und zu schließlich eine kurze Sightseeing Tour machen. Am Ende des Meetings haben uns die Inder die "10 Years International Teams“-T-Shirts, die sie uns aus Indien mitgebracht haben, gegeben, damit wir heute alle eins tragen können. Da das Verteilen der T-Shirts länger als gedacht gedauert hat, mussten wir ordentlich Druck mit dem Frühstück machen. Yvonne Heckel hat die Waffeln gekauft, damit wir nicht mit 25 Personen den Laden „sprengen". Mit den Waffeltüten sind wir dann erst einmal zu unserem Arbeitsplatz gefahren, da dort schon auf uns gewartet wurde. Die Werkstatt ist mit vielen großen Geräten ausgestattet. Wir haben sie kurz besichtigt und haben dann die mitgebrachten Waffeln gegessen. Ich persönlich hatte eine Waffel mit Sirup, welcher so flüssig war, dass man sich ziemlich damit vollgeschmiert hat, ansonsten schmecken die amerikanischen Waffeln ganz gut. Wir haben noch viele Materialien aus den vergangenen Jahren in Huntsville. Diese haben jetzt alle außer Sortiris (Griechenland), Tara Heckel, drei indischen Teilnehmern und mir geholt. Wir haben Stühle aus der Werkstatt für einen Stuhlkreis gesammelt, ein bisschen Pappe für den Boden ausgelegt, auf dem wir arbeiten können und eines der Lagerregale wieder fit gemacht. Nachdem der Rest zurückgekehrt ist, haben wir die Koffer von hier und unsere mitgebrachten ausgepackt, und die Teile, welche für die Modifikation des Rovers benötigt werden, auf das zuvor reparierte Regal gelegt. Außerdem haben wir einige Werkzeuge ausgepackt, welche ebenfalls benötigt werden. Mehr konnten wir erstmal nicht tun, da der Rover aus Washington erst morgen ankommt. Wir nutzten also die Zeit, um das Haus, in dem Jesco von Puttkammer gelebt hat, und einen lokalen Fernsehsender zu besuchen. Außerdem haben wir Deepika, eine indisches Teammitglied, abgeholt, da erst heute Mittag ankam. Als Abendessen sind wir zu Stevi B’ Pizza Restaurant gegangen. Dort gab es ein „all you can eat“-Pizzaangebot, welches wir uns nicht entgehen ließen. Gegen 20:00 Uhr sind wir wieder am Hotel angekommen, wo alle ihre Berichte geschrieben haben.

3. Tag, 27. März: Den Rover für das Rennen modifizieren. Wieder einmal habe ich mich mit dem Aufstehen heute vertan. Wäre ich nicht eher aufgewacht, dann hätte der Wecker erst 9:00 Uhr zur Abfahrt geklingelt. Nach kurzem Frühstück und Waschen sind wir zu unserer Arbeitsstätte gefahren. Als erstes haben wir unseren über den Sommer in Washington gelagerten Rover überprüft, da dieser heute von zwei Schülern nach Huntsville gebracht wurde. Es fehlten nur wenige Teile, wir werden alle ersetzen können, zum Glück. Als Hauptarbeit steht dieses Jahr das Bauen unserer neuen Räder an. Dafür haben wir fünf Gruppen eingeteilt. Vier für jeweils ein Rad, und eine fünfte für andere Arbeite, die am Rover zu erledigen sind. Da alle, die in Leipzig regelmäßig an Wochenenden zu Herrn Heckel ins Space Education Institute kommen, die neuen Räder selbst entworfen und weiterentwickelt haben, können wir den anderen Teammitgliedern nun zeigen, wie man die Räder baut. Dafür hat jeder "Advisor" eine Gruppe zugewiesen bekommen. Ich hatte das vordere linke Rad zu bauen. Zuerst mussten die alten Räder zurückgebaut werden, da wir die alte Speichenkonstruktion wiederverwenden müssen. Dann werden die Radsegmente festgeschraubt und das Profil aufgetragen. Immer wieder muss Rücksprache mit den anderen "Teamleitern" gehalten werden, zum Beispiel, als uns die Platzhalter ausgegangen sind. In solchen Situationen kommt es oft vor, dass auch andere Gruppen bei mir nach Material fragen, da sie denken, dass ein anderer Team-Advisor mehr dieser Teile hat. Wir haben schließlich festgestellt, dass in den alten Rädern zwischen den Spritzguss-Segmenten noch mehr der benötigten Röhrchen sind. Diese konnten wir entnehmen, kürzen und als Platzhalter verwenden. Wir kommen allerdings gut voran und haben gegen 15:00 Uhr bereits die Hinterräder bis zu den Radsegmenten fertig gestellt. Leider kann das noch nicht von den Vorderrädern behauptet werden. Auch der neue Rücksitz ist bereits montiert. Als es zwischendurch kurz begann zu regnen, hat sich die Arbeit auf die Vorderräder konzentriert. Dies hielt aber leider nicht lange an, da wir von einer Tornadowarnung unterbrochen wurden. Dies bedeutete, dass wir für heute einpacken mussten. Wir sind heute also früher zum Abendessen gegangen. Ich hätte nie gedacht, dass ich jemals solch ein Naturphänomen erleben würde, aber unverhofft kommt oft. Morgen müssen wir uns also ran halten, denn die Radsegmente müssen an beide Vorderräder vollständig dran. Außerdem müssen die Netze, die uns die Sattlerei Kübler produziert hat, um alle vier Räder gespannt werden sowie die Gumminoppen aufgeschraubt werden. Beim Essen erhielten wir die freudige Nachricht, demnächst auch ein kleines Kamerateam empfangen zu dürfen. Allgemein benötigen wir Videomaterial, denn der MDR Sachsenspiegel möchte gerne täglich über unsere Arbeit in Huntsville berichten. Da konnten wir solch ein Angebot kaum ablehnen. Nach dem Essen sind wir ins Quartier gefahren. Dort hatten wir genügend Zeit, unsere Berichte zu schreiben und uns für den morgigen Tag auszuruhen, denn wir werden die Kräfte brauchen!

4. Tag, 28. März: Alle Räder fertig! Das heutiges Meeting sollte 9:00 Uhr sein. Dies haben wir um ca. 20 min verfehlt. Das muss morgen besser funktionieren. Um dies zu bewerkstelligen, haben wir uns darauf geeinigt, morgen schon gegen 8:30 Uhr zu unserem Arbeitsplatz zu fahren. Hauptarbeit war nach dem gestrigen Arbeitsabbruch die Fertigstellung der Räder. Dies bedeutete, alle Rohrsegmente vollständig anzuschrauben, mit Netz zu umspannen und das Gumminoppen-Profil aufzutragen. Ich hatte das Gefühl, dass alle heute ein bisschen selbstständiger waren. Alle hatten das Ziel vor Augen: Der Rover mit unseren neuen Rädern! Das Netz, das die Rohrsegmente umspannt, ist in zwei Teile geteilt, in den achsennahen Seiten hat es jeweils einen Gummizug. Diese beiden Hälften mussten wir fest um das Rad spannen und vernähen. Dabei war gerade Firine, die schon in Leipzig für die Planung des Netzes zuständig war, eine große Hilfe und gute Lehrerin für die anderen. Sobald die Räder bis zu diesem Punkt fertiggestellt sind, werden mit einem spitzen Schraubendreher nach einer Schablone Löcher in das Plastikmaterial der Rohrsegmente gestochen. Das Arbeiten mit einer Schablone für ein ganzes Rad ermöglicht die (fast) gleiche Anordnung der Gumminoppen später. Wichtig war es hier, auf keinen Fall das Netz zu beschädigen, da die Glasfasern im Netz sonst ihre Festigkeit verlieren und das Netz geschwächt würde. Gegen 16:00 Uhr sind alle Räder fertig und werden feierlich an den Rover angebaut. Jeder ist begeistert und freut sich. Neben den Rädern sind auch der neue Hintersitz, unsere neuen Sitzpolster für den Vordersitz sowie die beiden 14-Gang-Planetengetriebe mit Gangschaltung installiert. Katja und Alina, unseren erfahrensten Fahrer, haben die Ehre, eine wirklich kurze "Jungfernfahrt" zu unternehmen. Wir wollen die Räder ja nicht unnötig beschädigen. Wir haben noch ein paar Fotos gemacht und die Arbeitsfläche aufgeräumt, damit das alles auch ordentlich zurückbleibt. Danach sind wir Pizza bestellen gefahren und haben sie im Zimmer gegessen. Heute müssen wir etwas eher ins Bett gehen, um das frühere Aufstehen zu kompensieren. Dies wird jetzt jeden Tag so sein, da unser Startfenster für das Rennen schon gegen 7:00 Uhr sein wird. Gerade für mich ist es besonders wichtig, früh fit zu sein, da ich im Rennen auf dem Hintersitz als Hauptanschieber mitfahren werde.

5. Tag, 29. März: Umzug ins Marshall Space Flight Center. Heute schafften wir es, 9:00 Uhr in der Werkstatt zu sein. Auf der Tagesordnung stand: Alle Werkzeuge einpacken, sortieren, was wir zum Rennen brauchen und was weggepackt wird. Ich habe mit einigen indischen Teilnehmern die Werkzeuge eingesammelt, in die Kästen einsortiert und ausgesucht, was zum Rennen mit muss. Außerdem haben wir die Schrauben sortiert, fotografiert und ordentlich für das Jahr 2018 verstaut. Dafür hat Navdeep (der Indische Ambassador) mit einigen Studenten ein Regal gebaut, wo wir alles das Jahr über drin lagern dürfen. Auch die Werkzeuge, die wir nicht brauchen, werden dort bis zur nächsten NASA Rover Challenge gelagert. Währenddessen hat die Anderen begonnen, die Sponsorenlogos auf unsere Anzüge und Schutzbleche zu kleben. Für letztgenannte haben wir neue blaue angebaut, welche viel schöner sind als die alten silbernen. Wir haben auch das Aufklappen des Rovers, was zum Wettkampf auf Zeit geschehen wird, geübt. Bei dem dabei vorausgehendem Test, ob wir den Rover auch tragen können, hat Lucas leider festgestellt, dass seine Knieverletzung keine Teilnahme zulässt. Er fällt also aus. Das heißt im Umkehrschluss, dass ich beide Läufe fahren muss, und auf keinen Fall ausfallen darf. Ansonsten haben alle Probeläufe ziemlich gut funktioniert. Das gefürchtete Nicht-Einrasten der Faltmechanik ist kein einziges Mal aufgetreten. Ich weiß nicht, ob das gut oder schlecht ist. Vielleicht machen wir alles richtig, vielleicht aber hatten wir Glück und im Wettkampf klappt es dann nicht. Das wäre super schlecht. Am Ende des Tages sind wir zum Marshall Space Flight Center gefahren. Hier wird das Rennen stattfinden. Wir haben ein paar Fotos mit dem ganzen Team und dem Rover gemacht. Außerdem haben wir die Pit-box für alle Internationalen Teams und für unser eigenes besichtigt. Um den Tag abzurunden, sind wir zum Tennessee River gefahren, wo wir mit Abendbrot stärkten und Fußball spielten. Alles in allem ein gelungener Abschluss, doch morgen steht die Anmeldung des Rovers an und dann wird es ernst. Zu verfolgen sein wird unser Rennen am Freitag den 31. März, und am Sonnabend, den 1. April 2017, jeweils gegen 8:00 bis 9:00 Uhr nach Huntsville-Zeit im Internetlivestream des NASA TV.

6. Tag, 30. März: Vorbereitung für das Rennen. Heute haben wir unseren Stand auf dem Gelände des Marshall Space Flight Center aufgebaut. Zunächst mussten wir uns anmelden. Erst dann gelten wir als angereist und sind zugelassen. Dann haben wir uns aufgeteilt, so dass ein Teil die Anzüge mit Patches versehen hat, ein Teil die anderen Internationalen Teams besucht und der letzte Teil kleine Arbeiten am Rover beendete. Dazu gehörte zum Beispiel die hinteren Schutzbleche, die heute angekommen waren, anzubauen. 14:00 Uhr haben wir ein Foto mit vier Internationalen Teams und ihren Rovern gemacht. Dabei waren zwei Teams aus Mexiko und eines aus Brasilien. Die anderen sind leider noch nicht angereist gewesen. Gegen 16:00 Uhr wurde die Rennbahn für morgen für alle zugänglich gemacht. Diese Begehung war für mich persönlich sehr wichtig, da ich als Neuer mir noch nichts über die Hindernisse vorstellen konnte. Es gibt viele unterschiedliche Sachen: Berge, Sandbunker und auch Kieskrater. Das einzige, was ich als kurzes Fazit sagen kann, ist, dass das wohl sehr anstrengende 800 Meter werden. Danach gab es noch ein kurzes Sicherheitsmeeting, wo wir alle in wichtige Sicherheitsmaßnahmen eingewiesen wurden. Danach sind wir kurz zu unserem Lager für die Werkzeuge gefahren und haben ein einige Werkzeuge geholt, die doch noch gebraucht werden. Dann waren wir kurz etwas Essen und sind nach Hause gefahren. Ich will zeitig schlafen, um morgen vollkommen wach für das Rennen zu sein.

7. Tag, 31. März: Erster Lauf zwar im Ziel,  aber zu verbessern. Ich hatte mir den Wecker für 5:00 Uhr gestellt, konnte mich aber doch erst 5:15 Uhr aus dem Bett quälen. Ich bin gestern zeitig schlafen gegangen, also war es mehr Faulheit als Müdigkeit, die durch eine ordentliche Dusche und Frühstück vertrieben wurde. 6:30 Uhr fuhr unser Auto zum Space Center. Als wir ankamen, haben wir den Stand wieder aufgebaut, den Rover aus dem Hänger geholt, in dem wir ihn für die Nacht gelagert hatten, und die Institutsflagge am Rover befestigt. Wir hatten nicht viel Zeit vor dem Rennen. Viel schneller als mir lieb gewesen war mussten wir uns umziehen und den Rover zum Start fahren. Es gibt eine Art Vorbereitungsstrecke, bevor die eigentliche Rennstrecke losgeht. Zuerst muss der Rover gefaltet und damit bewiesen werden, dass er in einen 1,5 x 1,5  x 1,5 m Würfel passt. Dann wird der Rover gewogen und von beiden Fahrern 7m lang getragen. Der Rover war nicht zu schwer, er ließ sich gut tragen. Als nächstes ging es um das Auffalten auf Zeit. Alle Mechanismen haben grundsätzlich funktioniert. Alles hat eingerastet, so dass wir nach rund 7 Sekunden angeschnallt auf dem Rover saßen. Die folgende Sicherheitsinspektion, bei der die gefährlichen Scharfen Kanten mit Panzerband abgeklebt werden, dauerte nur kurz. Dann ging es an die Startlinie. Doch als erstes kam nicht der Starter, sondern eine Frau vom NASA TV, um uns kurz zu Interviewen. Ich versuchte natürlich, sinnvolle Antworten zu geben, aber nicht das Rennen aus dem Fokus zu verlieren. Mit lauter Sirene wurden wir schließlich auf den Kurs geschickt. Sehr schnell stellte sich heraus, dass die Vermutung, es handele  sich wohl um sehr anstrengende 800 m, eine klare Untertreibung war. Die ersten Hindernisse waren kein Problem für den Rover. Der Anstieg war anstrengend, aber machbar. Das größte Problem ereilte uns im Mars Terrain. Gleich der erste große Berg zeigte uns, wo die Grenzen liegen. Wir waren zu langsam, und die Vorderräder hatten zu wenig Gripp, und die Hinterräder reichten nicht, um den Rover mit zwei Armen hochzustemmen. Also haben wir uns nach dem zweiten Versuch entschlossen auszusteigen. Ein sehr kräfteraubender Vorgang, wenn man ihn, wie ich, am Ende insgesamt dreimal gemacht hat. Denn gleich beim nächsten Hindernis, das kein größeres Problem gewesen wäre, wenn da nicht der eine große Stein direkt vor dem rechten Hinterrad gelegen hätte, wodurch ich wieder runter musste. Auch der dritte Hügel war ohne Absteigen nicht möglich zu überwinden. Der darauffolgende Sand war gut durchfahrbar. Auch das Kraterfeld ließ sich ohne große Stocker durchfahren. Nochmal richtig anstrengend wurde der Anstieg zum Zielkreisel. Hier habe ich kurz nichts mehr gefühlt, aber Aufgeben gab's nicht. Den tiefen Sand im Zielkreisel haben wir geschmeidig überfahren und auch der Flusskies hat uns nur kurz aufgehalten. Am Ende kamen wir vollkommen ausgepauert mit  9:37 min im Ziel an. Mit 3 Penalty's (dreimal Abgestiegen) und der Aufklappzeit standen wir am Ende des Tages mit 12:50 min auf Platz 12. Das Verbesserungspotenzial für morgen liegt ganz klar auf der Hand. Wir brauchen mehr Gewicht auf der Vorderachse und ein bisschen Glück mit der Steinverteilung im Mars Terrain. Daher haben wir uns entschlossen, dass Alina, die morgen für Katja fährt, nicht vorn sitzt, sondern mit mir tauscht, so dass ich also morgen lenken werde. Nach dem Rennen haben wir beiden Fahrer nichts weiter mehr unternommen. Wir waren im Pool des anliegenden Hotels und ich, der morgen noch einmal fahren muss, habe versucht, möglichst Kräfte zu sparen. Deshalb hat Herr Heckel auch vorgeschlagen, dass ich gegen 15:00 Uhr zurück ins Hotel fahre und mich ausruhe. Dies habe ich auch gemacht, habe 2 Stunden geschlafen, gegen 19:00 Uhr zu Abend gegessen und schreibe jetzt mein Bericht. Wahrscheinlich werde ich wieder zeitig schlafen gehen.

7. Tag, 1. April: Zweiter Lauf - zum Vergessen!? Trotz des vielen Schlafs kam ich schlecht aus dem Bett. Ich fühlte mich wie an die Matratze gefesselt. So war es kein Wunder, dass ich erst eine halbe Stunde vor Abfahrt aufgestanden bin. Um 7:00 Uhr sind wir zum Space Center gefahren. Heute, wieder zwischen 8:00 und 9:00 Uhr, sollte der zweite Lauf stattfinden. Wie gestern beschlossen werde ich als schwererer Fahrer vorne sitzen, damit die Räder stärkeren Druck auf den Boden haben. Dafür sitzt Alina heute hinten. Wir wollten natürlich besser sein als gestern. Das bedeutete vor allem, besser durch das Mars Terrain zu kommen. Also hatten wir uns ausgemacht, vor dem ersten großen Hügel ein bisschen Kraft zu sparen, um dann im Mars Terrain besser durchzukommen und vielleicht sogar den Hügel im ersten Anlauf schaffen. Tatsächlich waren wir schneller am Hügel aber kamen nicht drüber: 1. Penalty. Auch die vereinzelten Steine ließen wieder keine direkte Durchfahrt zu. Erneut mussten wir absteigen, weil heute sogar zwei Steine vor den Rädern lagen: 2. Penalty. Am dritten, nicht ganz so schweren Berg hat auch das Gewicht auf der Vorderachse nichts mehr geholfen. Alle Power wurde über die Vorderräder übertragen und Alina war nicht stark genug, die Hinterräder entscheidend zu nutzen: 3. Penalty. So hatten wir bis dahin also nichts gewonnen, aber es kam schlimmer. Im Kratersand sind wir steckengeblieben. Unsere Vorderräder hatten sich eingegraben. Erneut half nur Absteigen und schieben: 4. Penalty. So hatten wir also im Mars Terrain alles verloren, was es so zu verlieren gab. Die folgenden Hindernisse und die Mondlandelandschaft waren kein großes Problem, bis wir zu den spitzen Wellen kamen. Hier steckten wir nach zwei Wellen wieder fest. Erschöpft und fast geschlagen haben wir es noch gerade so geschafft, den Rover zu befreien ohne abzusteigen. Vom Anstieg zum Zielhang hab ich kaum mehr was gespürt, außer, dass es einfach lange gedauert hat. Den Zielhang (Kreis) mit dem tiefen Sand und Flusskies konnten wir unter Aufbringung unserer letzten Kraft noch überwinden, um vollkommen erschöpft im Ziel anzukommen. Die Zeit von gestern konnten wir bei weitem nicht verbessern. Danach haben Lucas und Cosma die Sample Soil Challenge gemacht, bei der man vier Proben (Sand, Kies, Wasser, Steinbrocken) vom Rover aus nehmen musste. Dann haben wir begonnen, den Rover wieder auseinander zu bauen, denn "Ganymed 5" wird nach einem Jahr in den USA wieder nach Deutschland gebracht. Wir haben viel zu verändern. Vor allem muss der Rover leichter werden. Viele Siegerteams hatten sehr leichte Rover, und in diesem Punkt müssen wir nachziehen. Gegen Mittag war der Rover abgebaut und wir sind Essen gegangen. Bis 16:00 Uhr hatten wir dann Freizeit, die Katja und ich größtenteils im Pool zugebracht haben. Ich nutze die beinahe Schwerelosigkeit im Pool, um mein eigenes Körpergewicht, was ich seit dem Rennen sehr deutlich spürte, wieder zu vergessen. 17:00 Uhr war die Preisverleihung. Ich freue mich, dass das Brasilianische Team "Space Troopers", mit dem wir sehr gute Freunde in den vergangenen Tagen geworden sind, den Preis für das beste Internationale Team bekommen haben. Dies gibt ihnen Motivation, ihren Rover für nächstes Jahr zu verbessern und wieder zu kommen. Vielleicht schauen sie ja im Summer Camp in Leipzig vorbei? Nach dem Abendessen haben wir unsere Teilnahmezertifikate erhalten, mit den auch anwesenden Brasilianern war es ein angenehmer Abend und ihre Freundlichkeit ließ mich den miserablen Lauf von heute vergessen. Danach sind wir ins Hotel zurückgefahren.

8. Tag, 2. April: Der Tag danach. Heute sollte nicht viel auf dem Plan stehen. Noch bevor ich aufgestanden bin, haben uns die Bolivianer (Alina und Gabriel), sowie alle, die aus Washington waren, verlassen. Wir hatten ein paar sehr schöne Tage mit ihnen allen und werden sie vermissen. Wir sind heute nur kurz in die Werkstatt gefahren, wo wir unsere Koffer reisefertig gepackt und das, was hier bleibt, in einer Box, die wir selbst gebaut haben, in der Werkstatt sicher verstauten. Es waren nur noch wenige Teile zu verpacken, so dass der Hauptteil der Arbeit aus dem Auswiegen der Koffer bestand. Schon gegen 14:30 Uhr waren wir mit allem fertig. Den Rest des Tages hatten wir frei und waren mit dem Bus unterwegs. Gegen 19:00 Uhr waren wir wieder im Hotel, wo ich die Zeit nutze, mich von dem Stress der vergangenen Tage zu erholen.

Wir danken Jonas Stiemer für seinen spannenden Bericht, der uns an diesem Ereignis zeitversetzt teilnehmen ließ. Großen Respekt vor den erbrachten Leistungen des Leipziger Teams! Das war wirklich eine große Herausforderung. Das Team hat alles gegeben und wird die gewonnen Erfahrungen sicher im nächsten Jahr aufs Beste berücksichtigen.

 

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